Vereinbarkeit von Beruf und Familie!

Seit Jahrzehnten ist die "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" der Dauerbrenner im Reigen der frauenpolitischen Forderungen. Der tägliche Drahtseilakt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, kostet viel Energie, viel organisatorisches Geschick, Geld und immer gute Nerven. Viele Frauen in Deutschland sehen sich deshalb vor die Wahl gestellt: "entweder Kinder oder Beruf". Ein "Sowohl - als - Auch" ist in unserem Land viel schwieriger zu leben als bei unseren europäischen Nachbarinnen, die auf eine gut ausgebaute, qualifizierte, staatliche Betreuung für ihre Kinder zählen können.

Die aktuelle Debatte zur Vereinbarkeit wurde durch folgende Tatsachen ausgelöst:

    - Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Geburtenrate in Deutschland seit Jahren erschreckend niedrig:
       (1,4 Kinder/Frau, im Saarland sogar nur ca. 1,2 Kinder/Frau)

    - Ca. 40% der Akademikerinnen bleiben kinderlos

    - Der erwartete demographische Wandel wird in wenigen Jahren zu einer Überalterung unserer Gesellschaft führen.

    - Es werden vermehrt Frauen und Ältere auf den Arbeitsmarkt drängen.

    - Es wird ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften erwartet.

    - Die sozialen Sicherungssysteme stehen (schon jetzt) vor dem Zusammenbruch.

Die prognostizierten Szenarien wirken so bedrohlich, dass seit kurzem Kinder nicht mehr nur als reine Privatsache gelten. Die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist stark in den Fokus von Bundes- und Landespolitik gerückt, denn der Mangel an Fachkräften hat gravierende Konsequenzen für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

In der aktuellen Diskussion gewinnen aus der (Frauen)-forschung längst bekannte Ergebnisse endlich mehr Beachtung:

- die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ niedrige Frauenerwerbsquote von 63% in der BRD
- Teilzeitarbeit, Mini-Jobs und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sind Domäne der Frauen,
obwohl der Wunsch nach Ausweitung von Berufstätigkeit besteht

- das Fehlen qualifizierter Ganztagsbetreuung für Kinder unter drei Jahren und Schulkinder (vor allem in den alten Bundesländern)

Die Landesarbeitsgemeinschaft sieht es als große Chance zur Entwicklung einer geschlechtergerechten Gesellschaft an, wenn Kindererziehung und Familienarbeit endlich als gesamtgesellschaftlich zu bewältigende Aufgabe gelten. Die Übernahme von Familienpflichten und die Inanspruchnahme von Elternzeit dürfen nicht wie bisher mit dem berühmten "Einstieg in den (beruflichen) Ausstieg" und einem Karriereknick verbunden sein. Weder Frauen noch Männer, die bereit sind, ihren Anteil an Elternzeit und Familienarbeit zu übernehmen, dürfen von Arbeitgeberseite her diskriminiert werden.

Dies sind die Voraussetzungen für ein modernes Familienbild in einer geschlechtergerechten Gesellschaft, die letztlich Vorteile für alle bringt: für Männer und Frauen, für ihre Kinder und für Unternehmen, die an der Bindung ihres qualifizierten Personals interessiert sind. Deshalb fordert die LAG kommunaler Frauenbeauftragter alle politisch Verantwortlichen auf, uneingeschränkt für die Entwicklung familienfreundlicher Lebensbedingungen in den Kommunen des Saarlandes zu sorgen.

Wir fordern:
    1. Mehr familienergänzende Betreuungsangebote mit flexiblen Öffnungszeiten

    2. Flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen mit qualifizierten pädagogischen Konzepten und gesunder Verpflegung

    3. mehr Einrichtungen mit Ganztagsbetreuung

    4. Ausbau des Betreuungsangebotes für unter 3jährige Kinder in den Kommunen nach dem Tagesbetreuungsausbaugesetz der Bundesregierung

    5. Eine Steuergesetzgebung, die Erziehungs- und Pflegedienstleistungen in den Familien angemessen berücksichtigt und Alleinerziehende nicht benachteiligt

    6. Die Abschaffung des Ehegattensplittings und die Verwendung der entsprechenden Mittel für die Entlastung von Familien mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen

    7. Familienfreundliche Personalpolitik in saarländischen Unternehmen

      (familienfreundliche Arbeitszeiten, Elternzeit für Väter respektabel machen, betriebsnahe Kitas mit flexiblen Öffnungszeiten, Hilfestellung bei der Betreuung von Kindern bzw. pflegebedürftigen Angehörigen, Weiterbildung in der Elternzeit, Familienservice-Büros, Personalpools)

    8. Familienfreundliche Kommunen: - z.B. erschwingliche familiengeeigneter Wohnraum, Entwicklung von Wohnmodellen für Jung und Alt, bedarfsgerechtes Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Berücksichtigung von Familieninteressen bei der Verkehrsplanung ...

    9. Anwendung des Gender-Mainstreaming-Prinzips bei allem kommunalen Handeln, das wäre in jedem Fall auch gut für Familien und Alte .


Die Frauenbeauftragten engagieren sich bei allen qualifizierten Anstrengungen in dieser Hinsicht.